Gerade in diesen Tagen steigt die Unsicherheit bezüglich der stattlichen Rentenversicherung und die Bundesregierung tut alles, um die Menschen im Land zu verunsichern.
Sicherlich hätte man den Menschen schon früher sagen müssen, dass das umlagenfinanzierte Rentensystem auf lange Sicht Leistungseinbusen haben muss, einfach, weil die Renter mehr und die Beitragszahler gleichzeitig weniger werden. Für viele Durchschnittsverdiener wird es noch ein böses Erwachen geben, das so noch nicht im Bewusstsein angekommen ist.
Es müsste also sowieso klar sein, man muss privat zusätzlich vorsorgen, gerade wenn man es sich leisten kann. Ich persönlich bin der Meinung, dass man auch das Optimum aus den Marktangeboten herausholen und insbesondere steuerliche Vorteile konsequent ausnutzen muss, wenn es sie denn schon gibt.
Heute haben wir drei Anbieter auf Basis von vorliegenden Basisinformationsblättern verglichen, die einen standardisierten Vergleich ermöglichen. Die beiden deutschen Versicherer WWK und Baloise (eigentlich eher ein Schweizer) wurden deshalb gewählt, da sie Nummer 1 und 2 in der Liste mit den besten Ablaufleistungen in einem Maklervergleichsprogramm sind. Prismalife-Daten wurden mit Hilfe deren eigenem Rechner ermittelt.
Das ist aus einem Grund nicht ganz perfekt, da hier nur ein geringer Beitrag von 100 Euro monatlich über 30 Jahre Laufzeit verglichen wird. Es gibt jedoch einen Trend und damit auch einen Ratschlag vor.
Schnelle Antwort
Wer in einer Fondspolice in ETFs sparen will, was gegenüber dem Banksparplan klare steuerliche Vorteile hat, ist bei WWK oder Baloise am besten aufgehoben. Wer in aktiv gemanagte Fonds investieren oder einen Nettotarif nutzen möchte, fährt mit PrismaLife besser.
Diese eine Frage – ETF oder aktiver Fonds – entscheidet die Anbieterwahl bei Fondspolicen wichtiger als jede andere Kennzahl. Wie es im Einzelfall aussieht, ergibt sich aus einem individuellen Angebot.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Standard-Vergleichsrechner zeigen Endbeträge auf Brutto-Renditebasis – die tatsächlichen Fondskosten (TER) sind darin nicht abgezogen
- Die offiziellen Basisinformationsblätter (BIB) der Anbieter sind die einzige sauber vergleichbare Quelle
- Bei 100 € monatlich, 30 Jahre Laufzeit, mittleres Szenario liegen alle drei Anbieter im Best Case bei rund 57.000–58.000 € Ablaufleistung
- Im Worst Case (ungünstige Fondswahl) zeigen sich deutliche Unterschiede zugunsten von WWK
- PrismaLife ist als einziger der drei mit Nettotarif verfügbar
- WWK & Baloise punkten bei ETF-Anlage, PrismaLife bei aktiv gemanagten Fonds mit Bestandsprovision da es Verwaltungsrückvergütungen aus den Fonds gibt
- Verbindlich für Ihre Entscheidung ist immer das individuelle Angebot mit Effektivkostenausweis nach VVG-InfoV
Ich vermittle seit 1998 Altersvorsorgeprodukte – aus dieser Praxis weiß ich, dass die meisten Kunden bei Fondspolicen am falschen Ende vergleichen. Nicht die Brutto-Endsummen entscheiden, sondern die Effektivkostenquote in Verbindung mit der Fondswahl.
Warum überhaupt eine Fondspolice?
Bevor wir vergleichen: Eine Fondspolice ist nicht automatisch die beste Lösung – aber sie hat steuerliche und strukturelle Vorteile, die im Bank-Depot nicht zu bekommen sind:
Steuerstundung in der Ansparphase
Im Versicherungsmantel fällt während der Laufzeit weder Abgeltungssteuer noch Vorabpauschale an. Das eingezahlte Kapital arbeitet ungekürzt für Sie – über 30 oder 40 Jahre macht der Zinseszinseffekt das zu einem deutlichen Vorteil.
Halbeinkünfteverfahren bei Kapitalauszahlung
Wenn der Versicherungsvertrag (Fondspolice) mindestens zwölf Jahre lief und Sie bei Auszahlung mindestens 62 Jahre alt sind, wird nur die Hälfte des Gewinns mit Ihrem persönlichen Steuersatz belastet – statt der vollen 25 % Abgeltungssteuer. Bei einer Rentenauszahlung ist die Steuerbelastung noch geringer.
Steuer- und kostenfreier Fondswechsel
Im Depot löst jede Umschichtung Steuern und Transaktionskosten aus. In der Fondspolice ist das innerhalb des Versicherungsmantels kosten- und steuerfrei
Lebenslange Rentengarantie
Der garantierte Rentenfaktor sichert eine lebenslange Auszahlung – egal, wie alt Sie werden. Beim Bank-Depot kann das Kapital aufgebraucht sein.
Zeit und Nerven
André Kostolany, die älteren kennen ihn noch, sagte sinngemäß, zahle regelmässig in die Börse (Investmentfonds) ein, schaue einfach nicht nach was passiert und entdecke am Schluß, dass Du reich bist. Als Mensch, der ständig informiert ist und alles selbst managen will, wird man öfter emotional zu Änderungen verleitet und verursacht so unbemerkt Kosten (Wechsel und Steuern), die sich sehr negativ auf das Endergebnis auswirken können.
Das Problem mit dem Standardrechner
Ein typisches Beispiel: 100 € pro Monat, 30 Jahre Laufzeit, 6 % Rendite. Der typische Standardvergleichsrechner zeigt eine Ablaufleistung von rund 94.870 € an.
Das Problem: Diese 6 % sind eine Bruttowertentwicklung – die laufenden Fondskosten (TER) sind darin nicht abgezogen. Bei einem ETF mit 0,2 % TER bleiben effektiv 5,8 % übrig, bei einem aktiv gemanagten Fonds mit 1,5 % TER nur 4,5 %. Die Endsumme liegt entsprechend deutlich darunter.
Realistisch sind bei der gleichen Sparrate in einer kostengünstigen Fondspolice etwa 57.000–58.000 € im mittleren Best-Case-Szenario. Das klingt nach Ernüchterung, ist aber der ehrliche Wert nach Abzug aller Kosten.
Drei Anbieter im direkten Vergleich
Ich vergleiche hier die zwei Anbieter, die in der Praxis bei Standardrechnern regelmäßig vorne liegen, mit PrismaLife – einem Anbieter, der mit eigenem Rechner arbeitet und eine Besonderheit bietet: Verwaltungskostenrückvergütung der Fonds wird an den Kunden weitergegeben.
Grundlage des Vergleichs sind die offiziellen Basisinformationsblätter (BIB) nach PRIIP-Verordnung. Diese müssen alle Anbieter auf identischer Annahmenbasis erstellen – damit sind die Werte direkt vergleichbar.
Eckdaten des Vergleichs
- 100 € monatlicher Beitrag (1.200 € jährlich)
- 30 Jahre Laufzeit
- Eintrittsalter 37 Jahre
- Mittleres Performance-Szenario der BIBs
Renditen und Kosten im Überblick
| Anbieter | Rendite vor Kosten | Rendite nach Kosten | Kostenwirkung (RiY) p.a. |
|---|---|---|---|
| WWK Premium FondsRente 2.0 | 4,1 % – 4,5 % | 1,5 % – 3,0 % | 1,1 % – 3,0 % |
| Baloise Best Invest | 2,0 % – 4,1 % | -0,2 % – 3,1 % | 1,0 % – 3,4 % |
| PrismaLife FlexInvest | 2,4 % – 4,5 % | -0,6 % – 3,0 % | 1,4 % – 4,5 % |
Quelle: Basisinformationsblätter der Anbieter, Stand April 2026 (WWK) bzw. Februar 2026 (Baloise) bzw. Oktober 2025 (PrismaLife).
Hochgerechnete Ablaufleistungen
| Anbieter | Best Case (obere Renditespanne) | Worst Case (untere Renditespanne) |
|---|---|---|
| WWK | rund 57.000 € | rund 45.000 € |
| Baloise | rund 58.000 € | rund 35.000 € |
| PrismaLife | rund 57.000 € | rund 33.000 € |
Eingezahlte Beiträge: 36.000 €. Werte gerundet auf Basis der BIB-Renditen nach Kosten.
Was diese Zahlen bedeuten
Im Best Case sind alle drei Anbieter nahezu gleichauf – mit leichtem Vorsprung für Baloise. Der Unterschied von rund 1.000 € auf 30 Jahre ist marginal.
Im Worst Case zeigt sich dagegen ein deutliches Bild: WWK liefert auch bei ungünstiger Fondswahl noch eine positive Rendite, während Baloise und PrismaLife unter die Beitragssumme fallen können. Das spricht für eine engere Kostenspanne bei WWK.
Die entscheidende Frage: ETF oder aktiv gemanagter Fonds?
Nach intensiver Auseinandersetzung mit den drei Anbietern lässt sich die Empfehlung auf eine einzige Frage reduzieren:
Möchten Sie in ETFs sparen oder in aktiv gemanagten Fonds?
Warum diese Frage so entscheidend ist
PrismaLife verfolgt ein anderes Geschäftsmodell als WWK und Baloise: Bestandsprovisionen, die Fondsanbieter an den Versicherer zahlen, werden an den Kunden weitergegeben. Das wirkt sich nur dann aus, wenn der gewählte Fonds tatsächlich Bestandsprovisionen zahlt – also bei aktiv gemanagten Fonds.
ETFs zahlen in der Regel keine Bestandsprovisionen. Gemanagte Fonds haben aber meistens bessere Renditen und Renditechancen als ETFs, die einen Aktienindex abbilden und so immer eine Renditeglättung sind.
WWK und Baloise haben eine schlankere Policen-Kostenstruktur – das macht sie bei ETFs attraktiv. Bei aktiv gemanagten Fonds verschiebt sich das Bild zugunsten von PrismaLife, weil der Kunde dort einen Teil der Fondskosten zurückbekommt.
Die Faustregel
| Wenn Sie … | Empfehlung |
|---|---|
| in ETFs sparen wollen (z. B. MSCI World) | WWK oder Baloise |
| in aktiv gemanagte Fonds investieren wollen | PrismaLife (Verwaltungsrückvergütungen aus den Fonds führen zu großem Vorsprung in der Ablaufleistung) |
| maximale Renditechance suchen | WWK (höchste obere Renditespanne) |
| maximale Flexibilität in der Rentenphase wollen | Baloise (Fonds-Rentenplan, Vario-Schieberegler) |
Eine wichtige Differenzierung: Nettotarif
Ein Punkt, der in den meisten Vergleichen untergeht: PrismaLife bietet als einziger der drei Anbieter einen Nettotarif an. Bei diesem Modell werden die Abschlusskosten nicht über die Vertragslaufzeit verteilt, sondern als separates Honorar an den Vermittler entrichtet.
Der Vorteil: Die volle Sparsumme arbeitet ab dem ersten Tag im Vertrag. Es gibt keine Quersubventionierung der Provision durch laufende Verwaltungsgebühren. Bei höheren Beiträgen (ab etwa 250 € monatlich) und längeren Laufzeiten kann das wirtschaftlich sehr vorteilhaft sein – die einmalige Honorarzahlung wird durch den höheren Anlagebetrag schnell ausgeglichen.
WWK und Baloise bieten aktuell ausschließlich Bruttotarife mit einkalkulierter Provision an. Wie genau die Vermittlungsvergütungen intern im Vertrag entnommen und umgebucht werden, bleibt unklar.
Was Sie zusätzlich beachten sollten
Die hier gezeigten Werte stammen aus den standardisierten Basisinformationsblättern. Für Ihre individuelle Situation gilt:
Persönliches Angebot anfordern
Erst der individuelle Effektivkostenausweis nach VVG-InfoV zeigt die tatsächlichen Kosten für Ihren konkreten Vertrag.
Garantierten Rentenfaktor vergleichen
Bei einer 30-Jahres-Police entscheidet der Rentenfaktor darüber, wie viel monatliche Rente aus 100.000 € Kapital wird. Die Unterschiede zwischen Anbietern sind erheblich.
Fondsauswahl prüfen
Nicht jeder Anbieter hat jeden Fonds im Programm. Wenn Sie einen bestimmten ETF oder Fonds besparen wollen, prüfen Sie das vorab in der Fondsliste des Anbieters.
Bedingungsqualität bewerten
Beitragsfreistellung, Zuzahlungsmöglichkeiten, Fondswechselgebühren, Verrentungsoptionen – das sind die Stellschrauben, die über 30 Jahre den Unterschied machen.
Fazit
Der klassische Vergleichsrechner liefert einen guten ersten Überblick, sollte aber nicht das letzte Wort haben. Die wichtigste Entscheidung treffen Sie nicht zwischen Anbieter A und B, sondern bei der Frage ETF oder aktiv gemanagter Fonds – das bestimmt, welcher Anbieter strukturell zu Ihnen passt.
WWK und Baloise sind die Standardempfehlung für ETF-Sparer, PrismaLife für Anleger, die in aktive Fonds investieren wollen oder einen Nettotarif suchen.
Wenn Sie unsicher sind, welche Variante zu Ihnen passt, oder ein konkretes Angebot mit Effektivkostenausweis benötigen, sprechen Sie mich gerne an. Ein sauberer individueller Vergleich braucht keine 30 Minuten – verhindert aber 30 Jahre falscher Entscheidung.
Disclaimer:
Der Vergleich wurde nach bestem Wissen und Gewissen auf Basis des Vergleichsrechners von Softfair und des Tarifrechners der PrismaLife erstellt. Da es sehr viele Stellschrauben gibt und insbesondere bei höheren Beiträge die Fixkosten der Tarife eine geringere Auswirkung haben, können die Ergebnisse etwas höher oder niedriger sein. Irrtum ist immer vorbehalten. Es gelten die Bedingungen der Gesellschaften.





